Hemer.
Die Ausstellung „Hätte ich die Liebe nicht“, mit der der Kunstverein Iserlohn die Aktionsgruppe „Wir sind bunter als der Vatikan“ aus dem Pastoralverbund Iserlohn unterstützen will, startete bereits im Juni vergangenen Jahres.
Als Wanderausstellung waren die Bilder damals in sieben der neun katholischen Kirchen in Iserlohn zu sehen.
Nun holte die Gesamtpfarrei St. Vitus die Ausstellung nach Hemer.
Am Sonntagmittag wurde die Ausstellung, die als Fensterausstellung nicht nur Kirchenbesucher und Gläubige ansprechen soll, am Pfarrheim von Christkönig eröffnet.
Die Idee zu der Ausstellung basiert auf einem Vorfall, der Anfang 2021 in den Nachrichten und sozialen Medien bekannt gemacht wurde.
Ein Schreiben der Glaubenskongregation thematisierte den Umgang mit gleichgeschlechtlicher Liebe in der katholischen Kirche.
In dem Schreiben wurde ein klares „Nein“ zum Segen dieser Liebe innerhalb der katholischen Kirche ausgesprochen.
Deshalb bildete sich damals aus einer kleinen Gruppe junger Christen die Bewegung „Wir sind bunter als der Vatikan“, die darauf aufmerksam machen wollte, dass es andere Meinungen in der katholischen Kirche gibt, dass eine Aufbruchstimmung herrscht und dass es Menschen gibt, die anders denken und offen für Veränderungen sind.
Der Titel der Ausstellung leitet sich vom Hohelied der Liebe (1. Kor. 13) ab.
Die Ausstellung stieß seinerzeit in den einzelnen Gemeinden, trotz vorheriger Skepsis, bei den Menschen dort auf sehr viel positive Resonanz.
Gerade ältere Menschen traten im Nachhinein an die Künstler heran und bedankten sich für die Sensibilität der Werke und für die Denkanstöße, für andere Perspektiven und für die Farbe, die in die Kirchenräume getragen wurde.
Es wurde unterschiedlich mit der Ausstellung umgegangen, so gab es erklärende Führungen oder aber auch eine musikalische Andacht mit nachdenklichen Texten zu den Werken.
In Hemer jetzt gibt es wieder eine andere Form, wie mit der Ausstellung umgegangen wird.
Man entschied sich bewusst dafür die Bilder in den Fenstern des Pfarrheims zu zeigen, um so jedem zu jeder Tageszeit den Zugang zur Kunst zu ermöglichen und ein niederschwelliges Angebot zu schaffen.
So engstirnig wie seinerzeit Anfang 2021 mit dem Thema Homosexualität in der katholischen Kirche umgegangen wurde, bewegen sich die Dinge innerhalb der Kirche mittlerweile langsam.
Das Reformprojekt „Synodaler Weg“ fordert seit Kurzem, dass auch homosexuelle Paare gesegnet werden können.
Mittlerweile haben sich die Themen für die der Titel „Hätte ich die Liebe nicht“ steht, selbst überholt.
Das Thema „Sexueller Missbrauch“ und das Fehlverhalten der Kirchenvertreter fließen ein.
Auch der Krieg mit seinen Leidenden, Sterbenden und Flüchtenden, der sprachlos und fassungslos macht, ist in den Gedanken der Künstler wiederzufinden.
Die rund 20 künstlerischen Arbeiten sind von Agnes Mühlenhoff, Annelie Linderhaus, Bernd Richter, Ella Mühlhaus, Torsten Mühlhaus, Brigitte Reif, Claudia Kastenmeier, Diana Lammert, Petra Lukoschek, Christoph Wieloch und Helga Langhage angefertigt worden.
Die teilnehmenden elf Künstler des Vereins möchten zu Toleranz, gegenseitigem Verständnis und Respekt vor der Liebe zwischen zwei Menschen, unabhängig vom Geschlecht, inspirieren.
Die Liebe ist schließlich das wichtigste Gut, das diese Erde besitzt.
Zwei Wochen lang haben Interessierte die Gelegenheit, sich die vielfältigen Bilder, die Liebe in unterschiedliche Formen und Farben gekleidet zeigen, anzuschauen.
Das Kreuz als Symbol der christlichen Kirche, Frau und Mann, die Familie – all das sind Motive, die aufgegriffen werden und die zum Nachdenken anregen.